Suizid geht uns alle an

Suizid geht uns alle an

Ich schreibe diesen Text nicht als Experte. Ich schreibe ihn als Mensch der selbst an diesem Punkt war.
Mehr als einmal.
Ich weiß wie es sich anfühlt wenn die Dunkelheit so groß wird, dass man nicht mehr glaubt dass es jemals wieder hell werden kann. Wenn der Schmerz so konstant ist, dass man einfach nur will dass er aufhört. Wenn man nicht mehr sterben will – sondern einfach nur nicht mehr leiden.
Das ist ein Unterschied den die meisten Menschen nicht verstehen. Aber du verstehst ihn vielleicht.

Was du wissen musst

Suizidgedanken sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind ein Zeichen dass du zu lange zu viel getragen hast. Alleine. Ohne Hilfe. Ohne gehört zu werden.
Das ist kein Versagen von dir. Das ist ein Versagen der Menschen und Systeme um dich herum, die nicht gesehen haben was du gebraucht hättest.
Du bist nicht kaputt. Du bist erschöpft. Das ist ein Unterschied.

Was ich gelernt habe

Der Moment in dem ich dachte, es gibt keinen Ausweg – der war nicht das Ende. Er war der tiefste Punkt. Und vom tiefsten Punkt aus gibt es nur eine Richtung.
Ich bin noch hier. Mit meineTochter. Mit meiner Musik. Mit meinem Leben das sich aufbaut.
Nicht weil alles gut geworden ist. Sondern weil ich einen Tag weitergemacht habe. Dann noch einen. Dann noch einen.
Das reicht manchmal. Einfach einen Tag.

Warnsignale – bei dir selbst und bei anderen

Manchmal kündigt sich eine Krise an. Nicht immer laut. Oft sehr leise.
Bei dir selbst:
  • Du ziehst dich von allem und allen zurück
  • Du verschenkst Dinge die dir wichtig sind
  • Du denkst oft daran, dass andere es ohne dich besser hätten
  • Du fühlst dich wie eine Last für dein Umfeld
  • Du kannst dir keine Zukunft mehr vorstellen
  • Alles fühlt sich sinnlos an
Bei anderen:
  • Jemand spricht plötzlich sehr ruhig und abgeklärt über den Tod
  • Jemand sagt Sätze wie "Ich kann nicht mehr" oder "Es wäre besser ohne mich"
  • Jemand gibt plötzlich Dinge weg
  • Jemand verabschiedet sich ungewöhnlich intensiv
  • Jemand der lange depressiv war, wirkt plötzlich sehr ruhig und entschlossen
Nimm diese Zeichen ernst. Immer.

Was du tun kannst – jetzt sofort

Wenn du gerade in einer Krise bist oder jemanden kennst der Hilfe braucht:
Anlaufstelle
Kontakt
Verfügbarkeit
Telefonseelsorge
0800 111 0 111
Kostenlos, 24/7
Telefonseelsorge
0800 111 0 222
Kostenlos, 24/7
Krisendienst
0800 655 3000
Kostenlos, 24/7
Notruf
112
Immer
Du musst nicht in akuter Gefahr sein um anzurufen. Du darfst anrufen wenn du einfach nicht mehr weißt wie es weitergehen soll. Das reicht.

An die Menschen im Umfeld

Wenn jemand dir sagt dass er nicht mehr will – dann ist das kein Erpressungsversuch. Das ist ein Hilferuf.
Frag direkt. "Hast du Gedanken dir etwas anzutun?" Diese Frage löst keine Suizidgedanken aus – sie gibt dem Menschen das Gefühl, gesehen zu werden.
Hör zu. Nicht um zu antworten. Einfach um da zu sein.
Lass die Person nicht allein. Bleib. Ruf gemeinsam an. Fahr mit zum Arzt.
Mach dir keine Vorwürfe wenn du nicht alles richtig machst. Das Wichtigste ist: Du bist da.

Meine Botschaft an dich

Ich habe Dinge erlebt die kein Mensch erleben sollte. Gewalt. Verlust. Einsamkeit. Krankheit. Momente in denen ich nicht mehr wollte.
Und ich bin noch hier.
Nicht weil ich stärker bin als du. Sondern weil ich irgendwann aufgehört habe alleine zu kämpfen. Weil ich angefangen habe zu reden. Weil meine Töchter mir jeden Tag zeigen warum es sich lohnt.
Vielleicht hast du noch keinen Grund gefunden. Vielleicht ist er noch nicht sichtbar.
Aber er ist da. Ich verspreche dir das.
Halt durch. Einen Tag. Dann noch einen.
Du bist nicht allein. 🐼❤️
– Maurice, der Alpha Panda
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